„In meinem Kopf kreisten nur zwei Buchstaben, und jedes Mal, wenn der eine oder andere in den Vordergrund rückte, blähte er sich auf, wurde riesengroß, fing an zu schwingen, hämmern und hatte in dem Moment alle Macht.“
Buchstaben: MS, nur eine medizinische Abkürzung und doch mehr als eine Diagnose, mehr als der Hinweis auf die Ursache plötzlich auftretender Koordi-nations- und Sehstörungen.
Multiple Sklerose, eine in Schüben verlaufende Krankheit des zentralen Nervensystems mit einer von Patient zu Patient vollkommen unterschiedlichen Symptomatik und nach wie vor eines der großen Rätsel der modernen Schulmedizin.
Heilungsaussichten?
Fehlanzeige.
Die Krankheit zum Stillstand bringen, die Schübe auf der Zeitachse verzögern, das sind die Ziele und Ansätze der vielschichtigen Behandlungsversuche.
Der Mensch in der Krankheit? Der Geist? Das Wesen? Die Psyche? Das Gefühl?
So viele offene Fragen....
„Dieser Schritt, der anders, weiter ausfiel, als ich es wollte. Dieser Schritt auf einem Tennisplatz, an meinem Lieblingsort, an meinem Pazifischen Ozean... diesen katastrophalen Schritt hätte es nicht geben dürfen, nicht bei der Läuferkarriere... Aber es gab ihn, und ich konnte ihn nicht ungeschehen machen.“
Stefan Daniel, 1963 in Ost-Westfalen geboren, bemerkt mit Anfang zwanzig, dass die Selbstverständlichkeiten seines Lebens plötzlich keinen Bestand mehr haben.
Der begabte Leichtathlet und Tennisspieler registriert die ersten unkontrollierbaren Abweichungen perfekt geschulter Bewe-gungsabläufe, nimmt im Lauf der Jahre immer mehr Boten wahr, deren Botschaften er nicht verstehen kann und will.
Erst als unmissverständliche Warnschüsse folgen lässt er sich unter-suchen. Die niederschmetternde Diagnose lautet MS! Lebenslänglich.
Erst als unmissverständliche Warnschüsse folgen lässt er sich unter-suchen. Die niederschmetternde Diagnose lautet MS! Lebenslänglich.
Stefan Daniel beginnt den einsamen Kampf gegen die Krankheit, die schwindende Hoffnung, das Unverständnis einer modernen Gesellschaft, seine Vereinsamung und letztlich den mit sich selbst.
22 Jahre nach der Diagnose gilt Stefan Daniel als "austherapiert".
Heute ist die Hoffnung vergangen. ABER.
Dieses ABER zeigt einen Menschen, der im Inneren seines Wesen all die Selbstbestimmtheit behalten hat, die ihm nach Außen hin genommen wurde.
Dieses ABER lässt ein Buch entstehen.
Dieses ABER ist der Bote, dessen Botschaft das Leben ist.
"Schreiben ist wie eine Art des Laufens gewesen. Laufen auf einer Kunststoffbahn, auf Stränden, in die tosende Brandung, hatte ich immer als mein Leben bezeichnet, als Erfüllung, so wie manch Liebe mich erfüllt hat und es noch immer tut."
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Während der Vorbereitungen zu diesem LiteraturBlog-Artikel und zur REZENSION hatte ich die Möglichkeit mit Stefan Daniel per Mail das folgende INTERVIEW für LovelyBooks zu führen.
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